Der weibliche Zyklus

Der weibliche Zyklus

FRAU IST NICHT IMMER FRUCHTBAR

Wo starten wir? 

Natürlich mit der Mens, oder? Die kennen alle. Oder doch eher mit dem Eisprung?

Tatsächlich setzt man in der Zyklusbeobachtung das Ende des Zyklus als Startpunkt: Die Menstruation. Mit der Menstruation wird eigentlich ein Zyklus beendet. Weil sie jedoch das eindeutigste und sichtbarste Zeichen im weiblichen Zyklus ist, startet in der Zyklusbeobachtung mit dem ersten Tag der Mens auch der erste Tag des neuen Zyklus. Was genau da passiert, erzähle ich aber Zyklus-chronologisch (nicht Beogbachtungs-chronologisch) erst am Schluss.

Eireifungsphase (Follikelphase)

In den Hoden der Männer werden täglich 100 Millionen Samenzellen gebildet – das sind unglaubliche 500 bis 1000 Samen pro Sekunde! Bei den Frauen hingegen sind die Eibläschen (auch Follikel genannt) bereits vor der Geburt in den Eierstöcken angelegt. Pro Eierstock sind das rund 400’000 Eibläschen. Die Eizelle ist jeweils im Eiblässchen/Follikel drin. Diese Follikel befinden sich in einer Art «schlaf». 

Nun sendet das Gehirn das Hormon FSH aus. Das FollikelStimulierende Hormon stimuliert, wie der Name schon sagt, die Eiblässchen. Dadurch werden ca. 20-25 dieser Follikel «wachgerüttelt» und beginnen zu reifen. Der Reifungsprozess eines Follikels dauert um die 100 Tage, so dass sich auch immer etwa 50-100 Eizellen in unterschiedlichen Reifungsgraden am entwickeln sind. Eines dieser Eiblässchen wächst nun schneller und wird grösser als die anderen. Es wird das Follikel sein, welches dann mit dem Eisprung die Eizelle freigeben wird.

Einer der wichtigsten Faktoren der weiblichen Fruchtbarkeit ist eine im Gebärmutterhals (Zervix) produzierte Flüssigkeit: Das Zervixsekret. 

Erinnerst du dich an die Kaiser-Boten-Geschichten aus dem letzten Blogartikel? So kann die Geschichte im weiblichen Zyklus erzählt werden:
Der Kaiser (Gehirn) gibt den Befehl, die Botschaft «FSH» an die Gräfinnen «Eierstöcke» zu senden. Die Gräfinnen Eierstöcke erhalten die Botschaft und senden nun ihrerseits den Boten «Östrogen» los zu ihren Untertanen (Zellen). Die Untertane setzen nun um, was in der Botschaft «Östrogen» drin stand:

  • Eiblässchen beginnen zu reifen.
  • Zervixsekret verändert Farbe von weiss zu durchsichtig und Beschaffenheit von dicklich/klebrig/zäh zu flüssig/dehnbar/wie rohes Eiweiss
  • Gebärmutterschleimhaut baut sich auf.

Die Zeit der Periode und auch noch kurz danach kann übrigens unfruchtbar sein. Doch dazu gehört eine genaue Beobachtung und vor allem das richtige Auswerten der Beobachtungen. Denn hier muss gut aufgepasst werden, die fruchtbare Phase kann plötzlich starten! 

Eisprungphase (Ovulationsphase)

Durch den steigenden Östrogenspiegel wird nun im Gehirn das luteinisierende Hormon (LH) freigegeben. Dieses löst den Eisprung aus. Die Frau befindet sich gerade in der hochfruchtbaren Phase.

Wenn das dominante Follikel einen Durchmesser von ca. 2cm erreicht (du hast richtig gelesen: Zentimeter!), platzt es auf. Die Eizelle, die im Follikel drinsteckte, wird so freigegeben. Versuch mal mit einer Nähnadel ein Loch in ein Papier zu stechen – etwa so gross wie das entstandene Löchlein ist eine Eizelle.

Kannst du als Frau den Eisprung spüren? Diese Schmerzen werden «Mittelschmerz» genannt. Wie und was da genau gespürt wird, habe ich in einem einem Insta-Post angesprochen, schau doch mal hier.

Wenn die Eizelle nun aus dem Eibläschen springt, wird sie vom äussersten Ende des Eileiters aufgefangen und beginnt ihre Wanderung in Richtung Gebärmutter. Wenn eine Befruchtung eintreten würde, dann in diesem äussersten Drittel des Eileiters. Doch schon nach 12-18 Stunden löst sich eine nicht befruchtete Eizelle wieder auf. 12-18 Stunden ist also eine sehr kurze, fruchtbare Zeitspanne.

Doch hier kommt nun der grosse Auftritt der Zervixflüssigkeit! Spermien würden nämlich im sauren Klima der Vagina sehr bald sterben – wäre hier nicht dieses Zervixsekret. In diesem Sekret können die Spermien überleben und sich ernähren – und zwar bis zu 6 Tage lang! Es hilft ihnen auch sich fortzubewegen und den ca. 13-15cm langen Weg zur Eizelle zu bewältigen (eine lange Distanz für 0.05mm-Winzlinge). Dank dem Zervixsekret ist eine Frau also nicht nur 18 Stunden lang, sondern ca. 6 Tage im Zyklus fruchtbar. 

Gelbkörperphase (Lutealphase)

Auch die zurückgebliebene Hülle des Follikels hat noch eine wichtige Bedeutung für den weiblichen Zyklus. Diese Hülle entwickelt sich durch das Hormon LH (luteinisierend = gelbmachend) zum sogenannten «Gelbkörper«. Dieser Gelbkörper produziert nun das Sexualhormon Progesteron. In dieser Zyklusphase bereitet sich der Körper immer auf eine eventuelle Schwangerschaft vor.

Progesteron bewirkt folgendes im weiblichen Körper:

  • Zervixsekret wird verdickt, so dass eine Art «Zapfen» im Muttermund steckt.
  • Gebärmutterschleimhaut-Aufbau wird gestoppt, jedoch stärker durchblutet.
  • Die Körpertemperatur der Frau steigt leicht, aber messbar, an (ca. +/-0,2°C).
  • Manche Frauen spüren ein Brustspannen.

In dieser Zeit ist die Frau zu 100% unfruchtbar! Diese Zeit kann übrigens mit der symptothermalen Methode sehr sicher eingegrenzt werden.

Am Ende der Gelbkörperphase, wenn der Körper merkt, dass keine Schwangerschaft vorhanden ist, sinken alle Hormone wieder ab.

Menstruation

Und nun – eben eigentlich erst am Ende des Zyklus – setzt die Menstruation ein. Die Gebärmutterschleimhaut muss, wenn keine Schwangerschaft eingetreten ist, wieder abgebaut werden. Alle Hormone sind nun wieder abgesunken. Durch das Sinken des Progesterons, ist auch die Körpertemperatur wieder niedriger.

Auch wenn es eigentlich das Ende des Zyklus ist: In der Zyklusbeobachtung startet nun mit dem ersten Tag der Blutung ein neuer Zyklus.


Kannst du diese vier Phasen bei dir selbst unterscheiden? Zyklusbeobachtung ist etwas unglaublich wertvolles für jede Frau. Deshalb habe ich eine kurze Anleitung für dich geschrieben, wie du in 5 Etappen lernst, deinen Zyklus zu beobachten.