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Mit dem Zyklus anstatt gegen ihn leben

Sich bei Kerzenschein einkuscheln in eine warme Decke, dicke Socken anziehen, eine heisse Schokolade trinken und ein guuutes Buch lesen, während draussen im Laternenschein die Schneeflocken tanzen – so liebe ich die Winterzeit! Aber auch das Gegenteil liebe ich – im Sommer noch spät abends mit Freunden am See chillen, singen zu Gitarrenklängen und über alles mögliche quatschen und lachen. Doch ich bin froh, dass diese Winter- und Sommerzeiten sich nicht von Tag zu Tag abwechseln! Ich komme gerne in einer Jahreszeit an und gegen Ende einer Jahreszeit freue ich mich schon wieder richtig auf die nächste… 

Wir können ja fast nicht anders als MIT den Jahreszeiten zu leben. Den beschriebenen Sommerabend kann wärme- und lichttechnisch einfach nicht auf die gleiche Weise im Winter erlebt werden (obwohl ein Lagerfeuer im Schnee mit Punsch und warmen Kleidern auch seinen Reiz hat – aber eben doch was ganz Anderes ist).

In letzter Zeit wurde viel über den weiblichen Zyklus und die inneren vier Jahreszeiten geschrieben – hast du auch schon mal davon gelesen? Unsere vier Zyklusphasen haben nämlich Ähnlichkeiten mit den vier Jahreszeiten. Nur, dass wir bei diesen oft sehr viel Energie darin verpuffen, gegen diese inneren Jahreszeiten zu leben.

Wir kämpfen gegen die Höhen und Tiefen unseres Zyklus an, anstatt mit ihm zu leben. Doch was bedeutet «mit dem Zyklus leben»?

Der weibliche Zyklus

Hier rechts zuerst nochmal zur Erinnerung eine kleine Zusammenfassung der vier Zyklusphasen in einem Bild dargestellt, diese sollten dir nämlich klar sein, wenn du das mit den inneren Jahreszeiten verstehen willst.

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Die inneren vier Jahreszeiten

Erst nach Jahren der «normalen» Zyklusbeobachtung hörte ich das erste Mal von diesem Gedanken der inneren vier Jahreszeiten. Erst kam mir das ganze ein wenig mystisch vor, gerade auch weil die vier Phasen oft mit den Mondphasen in Verbindung gebracht werden. Doch dann begann ich mich mal selbst darauf zu achten und staunte, dass ich die beschriebenen Attribute der vier Jahreszeiten tatsächlich auch in meinen Zyklusphasen feststellte. Auf den Zyklus übertragen, können die vier Jahreszeiten folgendermassen zugeordnet werden:

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Die inneren vier Jahreszeiten

Dein innerer Winter während der Menstruationsphase

Viele Frauen merken, dass sie sich während der Periode gerne zurück ziehen, sie treffen nicht so gerne andere Menschen und stehen in dieser Zeit schon gar nicht gerne VOR Menschen. Einkuscheln, Tee trinken, den Tag auf der Couch verbringen, Wärmeflasche und Zeit für SICH haben tönt nach der perfekten Periodenzeit. Theoretisch würden viele Frauen in dieser Zeit auch einen klaren Blick auf ihr Leben haben, Ideen und Visionen spinnen, innerlich aufräumen. Doch anstatt uns Ruhe zu gönnen hetzen wir weiter in unserem Alltag. So wie man es ja von uns verlangt. Immer Höchstlevel erbringen. Immer.

So haben die Ressourcen dieser Zykluszeit kaum Chance sich zu zeigen.
Wir brauchen diese Ruhezeit der Periode. Unser Körper signalisiert uns ja sehr stark, dass wir weniger tun sollen, es ruhiger nehmen sollen. Gönnen wir uns die Tage des ruhigeren Lebens um aufzutanken für den Rest des Zyklus.
 

Dein innerer Frühling während der Follikelphase

Liebst du es auch so, wenn es im Frühling wieder richtig warn wird, die Knospen aufgehen und Vögel zwitschern? Ganz ähnlich erleben viele Frauen den inneren Frühling. Die Zeit des zurückziehens ist vorbei, man freut sich wieder andere zu treffen, hat richtig Lust auf Gesellschaft. In dieser Zeit kommt die Körperenerie zurück, aber auch die Motivation Dinge anzupacken, die Geduld etwas durchzuziehen. Pläne ausführen, etwas TUN, konzentriert arbeiten – das klappt in dieser Zyklusphase einfacha besonders gut. Es ist eine verspielte Zeit, in der es uns Frauen auch einfacher fällt was neues auszuprobieren. Vielleicht gibts hier eine neue Frisur, zu der du im inneren Herbst nie den Mut gehabt hättest.

Dein innerer Sommer während der Eisprungphase

Wie im Frühling, so im Sommer noch mehr: Gemeinschaft mit anderen wird gefeiert! Wir strotzen vor Energie, wir zeigen uns gerne, vor Menschen stehen macht auch schüchternen Frauen in dieser Zeit weniger aus, als in anderen Zyklusphasen. Es ist die perfekte Zeit, um für sich einzustehen, du fühlst dich vielleicht mutiger als sonst und merkst, dass du viel ringer Arbeiten erledigen kannst. Das sind übrigens nicht nur innere Gefühle von uns Frauen – diverse Studien haben auch gezeigt, dass Frauen in der Eisprungphase auch nach Aussen eine andere, attraktivere Wirkung haben, als im Rest des Zyklus.

Dein innerer Herbst während der Lutealphase

Und dann kommt der liebe Herbst. Den man als verregnet, windig, stürmisch anschauen kann – oder als wunderbar, farbenprächtig, manchmal nochmal richtig warm mit goldigen Sonnenstrahlen. In dieser Phase zeigt sich das «gegen den Zyklus leben» bei vielen sehr ausgeprägt. Das prämenstruelle Symptom quält uns (und unsere Mitmensche) und ohje, die Periode steht ja schon bald wider vor der Tür. Aber auch diese Phase bietet uns so wertvolle Ressourcen! Hier können wir uns für eine innenschau Zeit nehmen, die richtig Klarheit schafft. Wir haben zwar weniger Energie, dafür erleben viele Frauen auch hier eine Zeit der Kreativität – vielleicht euinfach eine «ruhigere Kreativität» als im Frühling. Wie wir hier auf uns und unsere Energie achten, wie wir uns verhalten, kann auch das Erleben unserer nächsten Periode stark beeinflussen.

Was soll ich jetzt damit?

Was bringt mir dieses Wissen aber nun, denkst du vielleicht? Wenn auf deine Zyklusphasen zu achten beginnst, merkst du:

  • Wie du dich wann fühlst
  • Welche Ressourcen du wann zur Verfügung hast
  • Welche Schwierigkeiten und Herausforderungen dich in jeder Zyklusphase erwarten.

Sehr  vieles lässt sich dann nach dem Zyklus richten = «zyklisch leben». Wie du nämlich in der Lutealphase lebst, kann z.B. deine nächste Periode (und ob sie schmerzt) beeinflussen. Aber auch, wenn du dich in der Follikelphase zu sehr auspowerst kann sich das auf das Ende des Zyklus auswirken. Zyklisch leben bedeutet also, den Zyklusphasen entsprechend zu leben – eben so, wie es deinen einzelnen Zyklusphasen entspricht und gut tut – was sich wiederum auf die anderen Zyklusphasen auswirkt.

Mit zyklisch leben wirst du auch Kraft und Zeit sparen, du vergeudest deine inneren Ressourcen weniger und ersparst dir Frust. Ein Beispiel: Wenn du nicht gerne telefonierst, aber schon lange ein wichtiges Telefongespräch vor dir her schiebst, wirst du dieses in deinem inneren Frühling oder Sommer sehr viel lockerer erledigen, als z.B. im inneren Winter.

Zyklisch leben kann in allen möglichen Lebensbereichen von Nutzen sein:

  • Sport/Bewegung (denn deine Energie verändert sich im Zyklus, nicht jede Sportart und Intensität tut dir immer gut!)
  • To-Dos (denn deine Freude am Erledigen und deine Konzentration verändern sich im Zyklus)
  • Projektaufgaben
  • Ernährung (denn dein Nährstoffbedarf verändert sich im Zyklus)
  • Gespräche (denn deine Fähigkeit konstruktiv und mit Freude Gespräche zu führen verändern sich im Zyklus)
  • Deine Arbeit (denn jede Zyklusphase hat seine eigenen Vor- und Nachteile für unterschiedliche Aufgaben)
  • Dein eigenes Business (denn jede Zyklusphase hat seine eigenen Vor- und Nachteile für unterschiedliche Aufgaben)
  • Dating (denn deine Ausstrahlung und was dir für eine Beziehung wichtig ist verändern sich im Zyklus)
  • Mami-Alltag (denn deine Geduld und deine eigenen Bedürfnisse verändern sich im Zyklus)

Vielleicht tönt das für dich jetzt erst mal einfach nur komplizert und anstrengend, die ganzen täglichen Dinge und Termine nach dem Zyklus zu gestalten.
Aber keine Sorge: mit zyklisch leben zu starten heisst auch nicht, dass du von heute auf morgen dein komplettes Leben perfekt nach dem Zyklus ausrichtest. Das geht nur Step by Step. Das geht nur mit Aufmerksamkeit. Das geht nur, in dem du DICH und DEINE Zyklusphase mehr und mehr kennenlernst und merkst, was du wann brauchst. Und das geht auch nur, in dem du eins ums andere einfach mal ausprobierst, reflektierst, im nächsten Zyklus wieder verwirfst und anders umsetzt 😉 Es wird auch nach Jahren noch ein es-funktioniert-mal-besser und es-funktioniert-mal-weniger-gut sein. Aber das ist auch nicht schlimm! Denn zyklisch leben ist keine Disziplin, in der dir Bestnoten für dein Leben verleiht werden. Zyklisch leben ist einfach eine Möglichkeit, dein Leben angenehmer, ressourcenorientiert und vielleicht auch gesünder zu gestalten – weil du auf dich und deinen Körper hören lernst.

Und das tolle am Zyklus ist ja: Er kommt, sofern alles gesund läuft, immer und immer wieder. Naja gut, bis zu einem gewissen Alter. Aber bis dahin haben wir mehrere hundert Mal immer wieder eine neue Chance zyklisch leben auszuprobieren.

Lass uns gemeinsam entdecken, wie sich deine inneren Jahreszeiten anfühlen, vor welchen Herausforderungen du immer wieder stehst und wie du deine zyklischen Ressourcen zu deinen Gunsten nutzen kannst!

Wenn du dich mit mir aktiv auf die Entdeckungsreise deiner eigenen inneren vier Jahreszeiten machen willst, melde dich gerne für meinen Newsletter an. Dort wird zyklisch leben immer wieder ein Thema sein. Zudem werde ich ab Februar 2023 mit einer Gruppe von Frauen in eine 4-Monatige Zyklisch-leben-Challenge starten – bist du dabei??

Auch auf meinem Instagram-Kanal findest du immer mal wieder Content zum Thema zyklisch leben.