Natürliche Familienplanung – Sichere Sache??

Natürliche Familienplanung – Sichere Sache??

Vor über zehn Jahren staretete ich mit Zyklusbeobachtung. Als meine Freunde damals nach und nach erfuhren, dass mein Mann und ich «natürlich verhüten» werden, hörte ich anfangs zahlreiche Sprüche, wie: «Ah dann wirds ja bald Kinder geben bei euch». Und auch meine Gynäkologin schaute mich fast schockiert an und meinte: «Das ist aber nicht sehr sicher, das wissen Sie hoffentlich?». Ist denn nun natürliche Familienplanung sicher, oder nicht? Tatsächlich kommt es sehr drauf an, von welcher konkreten Methode jeweils die Rede ist (Lies dir dazu den vorherigen Artikel zu den zahlreichen Begriffen und Regelwerken rund um die natürliche Familienplanung durch!). 

Sicherheit

Um verschiedene Verhütungsmethoden in punkto Sicherheit miteinander vergleichen zu können, gibt es die Masseinheit des Pearl-Index (PI). Der Pearl-Index sagt aus, wie viele von 100 Frauen, die ein Jahr lang dieselbe Verhütungsmethode anwendeten, schwanger wurden. Ein Beispiel: Ein Pearl-Index von 8 bedeutet, dass acht von 100 Frauen, die ein Jahr lang dieselbe Methode anwedeten, schwanger wurden. Je tiefer also der PI, desto sicherer die Methode.

Die Zahlen zum PI klaffen teilweise ziemlich auseinander. So kann bei einer Methode auch ein PI von 0.4-7 stehen. Die Sicherheit der meisten Methoden hängt entscheidend von der richtigen Anwendung der Nutzer/innen ab. Deshalb wird unterschieden zwischen der Methodensicherheit (Sicherheit, wenn die Methode 100% richtig angewendet wurde) und der Anwendersicherheit (Fehler der Anwender/innen miteingerechnet). Weshalb die PI Angaben also auch so auseinandergehen können.

Zudem findet man bei unterschiedlichen Anbietern auch verschiedene Angaben zum PI. Dies deshalb, weil Studien auf unterschiedliche Art und unterschiedlich genau durchgeführt werden. Die Sicherheit hängt auch davon ab, wie stark sich ein Paar mit der Methode auseinandersetzt. Am Beispiel von Kondom: Je nach Website findet man Angaben von 2 bis 15. Beide Zahlen deuten auf eine nicht sehr sichere Methode hin. Jedoch ist es doch noch ein Unterschied, ob 2 oder gleich fünfzehn Frauen schwanger wurden. Klar ist: Bei Kondomen kann man mit der richtigen Anwendung (Grösse muss unbedingt stimmen, abrollen muss funktionieren, nicht mehrmals verwenden etc.) viel an Sicherheit gewinnen. Wenn das Paar sich also gut auskennt und das Kondom richtig anwendet, kann der PI auch unter 2 sinken.

Fakt ist: Je besser man sich mit einer Methode auskennt (=sich informieren!), desto sicherer wird man in der Anwendung!

Hier nun ein Überblick über die Methoden- und Anwendersicherheit der gängigen Verhütungsmethoden (Aus dem Buch «Natürliche Empfängnisregelung» von Josef Rötzer und Elisabeth Rötzer).

Der PI für die im letzten Artikel beschriebenen natürlichen Methoden variert zwischen folgenden Zahlen (Wikipedia):

Kalendermethode 5 – 29
Temperaturmethode 1 – 3
Billingsmethode 3 – 15
Coitus Interruptus 4 – 22

NFP nach Sensiplan gibt eine Methodensicherheit von 0,4 (PI) und eine Anwendersicherheit von 2,3 (PI) an (Siehe Buch «Natürlich & sicher», Arbeitsgruppe nfp, 18. Auflage, 2011).

NER nach Rötzer gibt unterschiedliche Anwendersicherheits-Angaben an, je nach Zyklusphase:
– In der etablierten Temperaturhochlage (nach dem Eisprung): PI 0
– Erste sechs Tage des Zyklus, sofern keine Zeichen der Fruchtbarkeit: PI 0,2
– Bis zum Tag vor dem ersten Fruchtbarkeitszeichen: PI 0,9

(Siehe Buch «Natürliche Empfängnisregelung Die sympto-thermale Methode – Der partnerschaftliche Weg», Josef Rötzer und Elisabeth Rötzer, Herder Verlag 3. (46.) neubearbeitete Auflage, 2015).

Auf www.iner.org wird noch erläutert:

«Zusammenfassend zeigen beide Arbeiten von Rötzer, dass bei 491 erwiesenermaßen fruchtbaren Frauen mit 17.026 Zyklen keine Schwangerschaft eintrat, die auf einen Methodenfehler zurückging (korrekte Anwendung PI 0). Es traten 12 überraschende Schwangerschaften ein, die auf „Anwenderirrtümer“ zurückzuführen waren (Gebrauchssicherheit PI 0,8).»

Wenn in der fruchtbaren Zeit mit anderen Verhütungsmethoden überbrückt wurde, zählt der PI der dort angewandten Methode. NER nach Rötzer empfiehlt ausdrücklich, wenn eine Schwangerschaft nicht angestrebt wird, in der fruchtbaren Zeit nicht miteinander zu schlafen. Schwangerschaften, die durch Versagen anderer Methoden entstanden, dürfen nicht der Sicherheit von NER angelastet werden.

Fazit

Wir sehen also: Natürliche Familienplanung kann unter Umständen sehr unsicher sein.
Jedoch die Symptothermale Methode, erlernt und angewandt anhand eines erprobten Regelwerkes, ist eine sehr sichere Methode, um eine Schwangerschaft zu verhindern.

So sicher wie die Pille. Unter Umständen sogar sicherer! Voraussetzung: Genaues Erlernen der Methode, den eigenen Körper gut kennenlernen, richtiges Auswerten des Zyklus.